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Schwimmverein Limmat Zürich

Interview mit Flemming Poulsen, Trainer der ersten Mannschaft des SV Limmat

Stand: 21.Oktober 1997


Limmatspritzer: Flemming Du lebst schon seit ca. I Jahr in Zürich, d h. in einer Gemeinde ausserhalb der Stadt - in Binz - wie haben sich Deine Familie und Du mittlerweile eingelebt?

Bild FlemmingFlemming Poulsen: Wir haben uns alle sehr gut eingelebt. Meine Frau hat eine Arbeit als Physiotherapeutin gefunden, und unsere beiden Kinder, die wir mit in die Schweiz genommen haben, begannen die Schule. Es läuft sehr sehr gut!

Mit was für einer Vorstellung kamst Du in die Schweiz, speziell jetzt gesagt in den Schwimmverein Limmat?

Ich kenne den Schweizerischen Schwimmsport schon seit mehreren Jahren. Während meiner 15jährigen Tätigkeit als dänischer Nationaltrainer habe ich auch schon früher mit dem Schweizerischen Verbandstrainer Tony Ulrich zusammengearbeitet. Den SVL kannte ich überhaupt nicht, ich dachte aber, dass mit meiner langjährigen Erfahrung der Schwimmsport Schritte nach vorne machen könnte.

Wie wurden Deine Erwartungen bezüglich dem Team, dem Umfeld des Vereines erfüllt, entsprach es Deinen Vorstellungen?

Ja und nein. Von verschiedener Seite habe ich vernommen, dass im SVL einige Streitigkeiten schwelten. Ich konnte mir jedoch nicht vorstellen, dass es doch so schlimm war, wie ich es miterlebte. Für mich war dies aber doch eher eine Herausforderung, da ich dachte, dass es nicht so schlimm sein kann und vor allem der Gedanke, dass der Raum Zürich den Sportlern extrem viele Möglichkeiten bietet.

Und wie ist es aus sportlicher Sicht? Wie bist Du mit dem ersten halben Jahr zufrieden, z.B. mit den Hallenmeisterschaften?

Die Leistungen, die wir in diesem Zeitraum erbracht haben, waren super, es ist wirklich gut gegangen. Ich habe mir nicht vorgestellt, dass die SchwimmerInnen so schwach waren, als ich hier begonnen habe. Ich dachte, dass die Sportler besser wären, dass das Team grösser ist und dass auch die Einstellung zum Training besser ist. Ich denke mir aber, dies hat viel zu tun mit den halben Jahr, in dem der SVL kein fester Trainer hatte. Aber dies ist alles kein Problem!

Also wenn ich das richtig verstehe, bist du zufriedener mit den Sommermeisterschaften bzw. auch mit dem Trainingslager in Villa Fransa?

Eigentlich bin ich mit allen vergangenen Wettkämpfen zufrieden. Wenn man bedenkt, wie wenig die SchwimmerInnen trainiert hatten, waren die Hallenmeisterschaften doch sehr erfolgreich. Die Schweizermeisterschaften und Nachwuchsmeisterschaften im Sommer hätten auch nicht besser laufen können.

Was war für Dich der sportliche Höhepunkt in dieser Saison?

Der sportliche Höhepunkt ist für mich immer die Teilnahme an nationalen Meisterschaften. Dazu zählen für mich vor allem die Schweizermeisterschaften im Winter und Sommer und dann noch die Nachwuchsmeisterschaften sowie natürlich auch die Vereinsmeisterschaften.

Wie empfindest Du das Verhältnis zwischen Sportler und Eltern zum Trainer? Vielleicht im Vergleich zu Dänemark?

Ich denke, da ist kein grosser Unterschied zu Dänemark. Wenn der SVL ein Spitzenklub werden will, dann muss die Zusammenarbeit mit den Eltern unbedingt gefestigt werden, die Unterstützung muss grösser werden. Und natürlich brauchen wir viel mehr Geld. Es muss nicht so sein, dass in jeder Fachkommissionssitzung und in jeder Vorstandssitzung nur über die finanzielle Situation gesprochen werden soll, dies bringt uns nicht vorwärts. Dies ist ein Punkt, den der SVL unbedingt beachten muss, ansonsten wird er nie ein Spitzenverein. Es ist mir bewusst, dass dies auch viel Geld kostet, aber es darf nicht sein, dass der Schwimmer immer alles aus der eigenen Tasche bezahlen muss.

Also ist hier auch ein vermehrter Einsatz von den Eltern gefragt?

Ja, das ist eine Aufgaben für den Vorstand, für die Fachkommission, für Eltern, für die Schwimmer und natürlich auch für mich. Hier ist der zentrale Punkt, dort, wo das Herz des SVLs schlägt und alle müssen unbedingt mithelfen!

Wir wissen alle dass der SVL finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Für die Zukunft sind vorhandene finanzielle Mittel sehr wichtig. Flemming was ist Deine Idee wie wir dieses Misere jetzt beheben resp. verhindern können?

Primär ist ganz klar, dass der SVL für mehr Mitglieder werben muss. Mit dieser Infrastruktur die uns mit Oerlikon und den anderen kleineren Bädern zur Verfügung steht, sind ca. 350 Mitglieder für die Sparte Schwimmen möglich und notwendig. Dies bringt uns Geld. Das Sponsoring ist ebenfalls ein wichtiger Punkt und da müssen vor allem auch die Eltern mit ihren möglichen Beziehungsnetzen tatkräftig mithelfen. Auch wenn es nur sogenannte "Kleinsponsorate" sind von wenigen 100.- bis jedoch auch zu den "richtigen" Sponsoringverträgen über mehrere tausend Franken. Es ist ganz klar; ohne Sponsoring geht es absolut nicht. Ich denke, die Suche nach Sponsoren ist in einer solch grossen Stadt mit vielen Vereinen nicht einfach, aber sicher nicht unmöglich! Ich appellier hiermit vor allem auch an Eltern und ehemalige SchwimmerInnen, welchen der SVL - wie den aktiven Sportlern auch - sehr am Herzen liegen.

Ich denke dies ist in Dänemark ganz ähnlich. Ich weiss, dass es auch in Dänemark in den Grosstädten sehr schwer ist, Sponsoren zu finden. Schwerer als in Kleinstädten, wo noch jeder Einwohner Gefühle zum sogenannten "Dorfklub" hegt. Wenn man diese Tatsache aber einfach so hinnimmt, dass hat man sowieso schon verloren und kommt nie zu Geld. Jeder einzelne im SVL muss das Bestmöglichste versuchen und die vorhandenen Beziehungen zu nutzen oder neue zu knüpfen.

Die bekannte Möglichkeit des Geldsammelns in Schwimmvereinen ist der sogenannte "Swimathon" beim SVL der altbekannte "Limmathon". Hast Du diesbezüglich Erfahrungen in Dänemark gesammelt? Ist dies ein einträgliches Mittel? Wieviel Geld wird dort in der Regel hereingeschwommen?

Dies war auch in Dänemark sehr unterschiedlich. Ich weiss von einem kleineren Verein, der pro Jahr so um die 5000.- durch einen Swimathon einholt. Wir hatten aber auch Klubs in Dänemark, in Kleinstädten aber auch in Grosstädten wie z.B. Kopenhagen, welche mehrere hunderttausend Franken erschwimmen konnten. Der grösste Betrag von dem ich je hörte, war um 210'000.-. So konnte dieser Verein über 2 Jahre hinweg einen Sponsor gewinnen. Ich denke, der zu erwartende Gewinn aus einem Swimathon liegt zwischen 30'000.- und 40'000.-. Das ist ganz normal.

Dies entspricht auch der Anzahl der Schwimmer wie sie der SVL hat?

Ja, ich glaube für den SVL sollte ein Betrag zwischen 50'000.- und 70'000.- drin liegen. Das sollte möglich sein.

Viele Leute sind heute noch der Ansicht dies hätte etwas mit "betteln" zu tun und sträuben sich auch dagegen Geld sammeln zu gehen. Wie ist Deine Meinung dazu?

Ich habe Verständnis für Schwimmer und Eltern, die solche Gefühle hegen. Es ist ja auch betteln, das ist ganz klar. Aber wenn wir dieses Geld nicht bekommen, dann wird es ein anderer Verein für sich einstreichen. Denn die meisten Firmen stellen in ihrem Budget einen bestimmten Betrag für Sponsoring ein. Und wenn wir nicht genug mutig und unverfroren sind, dann werden es andere sein.

Nun wieder zurück zum sportlichen Teil; wie sehen für Dich Flemming die Zielen für die restliche Saison '97 und die kommende Saison '98 aus?

Das wichtigste in dieser Saison ist noch die Vereinsmeisterschaften. Ich weiss zu diesem Zeitpunkt jetzt noch nicht, ob es die Damen nach der Promotion in die Vorrunde geschafft haben. Aber falls dies der Fall sein sollte, dann liegt das Ziel für die Damen- wie für die Herrenmannschaft ganz klar bei einer Qualifikation für den Final. Und ich bin sicher, wenn alles optimal läuft, liegt für die Herrenmannschaft sogar eine Medaille drin!

Für den weiteren Verlauf im nächsten Jahr haben wir für die Hallenmeisterschaften auf der kurzen Bahn und für die Schweizermeisterschaften im Sommer ein sehr gutes Team. Wenn alle in der kommenden Zeit gut trainieren, sehe ich für die Staffelwettkämpfe sehr gute Chancen und für die Junioren-Europameisterschaflen könnten sich dann auch mehrere Schwimmer qualifizieren.

Was glaubst Du ist nächstes Jahr das primär Ziel das wir verbessern müssen? Sei es im Training der Einstellung allgemein? Im Training machen sicher alle jede Woche einen Schritt vorwärts. Die Sportler müssen mehr zielorientiert denken, d.h. man wird im Training besser, im Wettkampf besser. Das hat zur Bedeutung, dass auch die Einstellung besser werden muss. Ja, und dann kommt es ganz langsam! Für mich war es dieses Jahr kein Problem, dass wir an den Meisterschaften keine Medaillen errungen haben, da ich in erster Linie auf die Zeiten achte. Und wenn diese in nächster Zeit immer besser werden, kommen die Medaillen ganz bestimmt.

Wirst Du persönlich an Deiner Trainingsphilosophie etwas verändern oder glaubst Du auf dem richtigen Weg zu sein?

Ich bin ganz überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. Wenn das Team Fortschritte macht, dann auch immer der Trainer. Und da keine Saison der anderen gleicht, ist auch der Trainer immer wieder aufs Neue gefordert. Hier im SVL muss zuerst noch die Grundlage gefestigt werden und erst danach können wir richtig aufbauen.

Zum Abschluss nun zwei Fragen die das Schwimmen im allgemeinen betreffen. Vor einigen Wochen fanden die Europameisterschaften in Sevilla statt. Die Schweizer Delegation hat mehr oder weniger gut abgeschlossen. Was glaubst du fehlt diesen Schweizer Schwimmern damit sie an die europäische Spitze vordringen können?

So wie ich das sehe, sind dies die gleichen Probleme, wie wir sie früher m Dänemark hatten. Es ist schon mal schlecht, dass die Schwimmer in den Vorläufen am Morgen nicht so auf Touren kommen, dass sie mögliche Finalplätze dadurch verpassen. Leider hat dies vor allem zum nicht so guten Abschneiden der Schweizer Schwimmer in Sevilla geführt. Wenn am Vormittag nicht optimal geschwommen wird, dann geht es einfach nicht. Dies hat einerseits etwas mit der Einstellung zu tun, andererseits sind sich die Schweizer Spitzenschwimmer mit den Vormittagsläufen nicht gewohnt. Nicole Zahnd z.B. ist in den Vorläufen an den Schweizermeisterschaften absolut nicht gefordert. Sie kann locker in den A-Final schwimmen und dann ist es am Nachmittag im Final kein Problem. Ich glaube aber, das muss man ein wenig trainieren, so dass man an Schweizermeisterschaften - welche ja ein Zwischenziel für Europameisterschaften bedeuten auch im Vorlauf knallhart schwimmt und dann so gut wie möglich im Final. So hätte man das trainiert und könnte es nicht besser machen. Dies ist jedoch nur ein Teil. Der andere Punkt ist, dass ich das Gefühl habe, dass die Schweizer Delegation nicht als ein richtiges Team an die Europameisterschaften gereist ist. Ich meine, Uster trainiert alleine, Nicole Zahnd trainiert alleine, Genf trainiert ebenfalls für sich. Hier muss man unbedingt etwas ändern.. Wir können uns ja auch nicht vorstellen, mit dem SVL an einer Schweizermeisterschaft eine Staffel zu schwimmen, in welcher zwei von Lausanne starten, jemand in Genf trainiert und der letzte hier im SVL. Das würde man auch nie wollen. Und so ist es auch mit der Nationalmannschaft. Die Trainer sollten mehr zusammenarbeiten und die Schwimmer sollten viel mehr zusammen trainieren. Vielleicht in einem Trainingslager über Weihnachten, ein Trainingslager im Frühjahr und dann in den Vorbereitungen zu den grossen internationalen Meisterschaften.

Würdest Du dann auch sagen dass die Probleme im SVL gleich liegen vielleicht auf dieser Stufe was einem Schwimmer des SVL zur nationalen Spitze fehlt?

Nein, ich glaube, dies hat vor allem mit der früheren Einstellung zu tun. Im SVL ist man ist man schnell einmal zufrieden gewesen mit dem was man gemacht hat. Und bisher war auch noch kein Trainer im SVL, welcher ebenfalls für ein solches Ziel und mehr gearbeitet hat.

Du glaubst also es ist vor allem eine Sache der Einstellung?

Wenn man ein Spitzenverein aufbauen möchte, geht es nicht nur darum, einen guten Trainer anzustellen, sondern es muss auch die Einstellung des Schwimmers stimmen, man braucht die Unterstützung des Vorstandes und der Fachkommission. Alle müssen das gleiche Ziel verfolgen und zusammenarbeiten, sonst geht es nicht.

Flemming ich danke Dir sehr für dieses interessante Interview!

Martin Kelemen

Steckbrief von Flemming Poulsen

Flemming Poulsen geb. 7.5.1950 in Kopenhagen Lebt seit 1974 mit der Schweizerin Almette Tobler zusammen. Seit 1988 verheiratet Drei Kinder: Micha (18 Jahre), Nicola (13 Jahre) und Marielle (11 Jahre). Ausbildung zum Schwimmlehrer 1973 - 1974

Beginn als Schwimmtrainer in Ikast 1975

Schimmtrainer (nebenberuflich) in Holstebro 1975 - 1979

Schwimmlehrer (hauptamtlich) beim Schulschwimmen in Ikast 1976 - 1979

Schwimmtrainer (als hauptamtlicher Cheftrainer) in Holstebro 1979 - 1992



Arbeit im Dänischen Schwimmverband:

Assistent im Juniorenbereich (neben meiner Arbeit im Verein) 1981

Assistent im Elitebereich (neben meiner Arbeit im Verein) 1982 - 1984

Cheftrainer des Nationalteams (neben meiner Arbeit im Verein) 1984 - 1992

Cheftrainer des Nationalteams (hauptamtlich) 1992 - 1996

Teilnahme als Trainer bei allen internationalen Meisterschaften (EIN, WM, OS) 1985- 1996

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